Cuvée Quattro vom Weingut Gager, Burgenland

Der elegante „Kraftlackl“

Wein aus Österreich? Inzwischen sollte es sich rumgesprochen haben, dass aus unserem Nachbarland Österreich exzellente Weine kommen. Kleine weinwirtschaftliche Strukturen, autochthone Rebsorten und ein gewisses Verständnis für Qualität sorgen hier schon seit einigen Jahren für Qualitäten, die beachtenswert sind.

Bei einem Kurzaufenthalt am Achensee (Tirol), der eigentlich zum Skifahren gedacht war, hatte ich die Gelegenheit wieder unbekannte österreichische Weine zu entdecken. Die Hoteliers sind hier entweder so qualitätsbewußt oder patriotisch (vielleicht sogar beides?), dass sie hauptsächlich auf heimische Tropfen zu setzen. Gut so – auf zum fröhlichen Probieren dachte ich mir…

Die Wahl fiel also auf eine Cuvée vom Weingut Gager. Cuvées sind in Österreich nicht ganz unproblematisch, weil so oft von der Stilistik sehr international gemacht sind. Schwer, schokoladig-fruchtig-süß – und dadurch auch gefällig, aber eben nicht sehr authentisch. Das Feinschmecker-Magazin hat den Typus mal ganz treffend als „Kraftlackl“ bezeichnet. Mir ist da noch der „Legends“ vom Weingut Scheiblhofer in Erinnerung, ein leckerer Wein, aber eben auch ein bisschen austauschbar. Und als der Wein dann kam, mit seinem, sagen wir mal „designorientierem“ Etikett, dachte ich schon: „Ohje ein Marketing-Wein“. Aber es sollte anders kommen…

Wir wählten also die Cuvée Quattro (Jahrgang 2010) und die Wahl war eine gute: Ein wunderbar harmonischer Wein, der für mich die typische Seidigkeit des Blaufränkisch hatte. Eindeutig ein Österreicher! Das Mischungsverhältnis dieses Weins besteht aus den Rebsorten 30% Blaufränkisch, 30% Cabernet Sauvignon, 20% Zweigelt, 20% Merlot. Und so kam er auch leicht und elegant daher, gar nicht „kraftlackelig“, obwohl er mit satten 14% Alkohol aufwarten konnte. Ein Wein, geschaffen als kulinarischer Begleiter. Ein kühle Aromatik vom Feinsten, ich nenne mal meine ersten Eindrücke: Heidelbeere, Heidelbeerkraut, einen Hauch Wacholder und ja, Schlehe. Der kühle Duft einer Schlehe, wunderbar, hat sich am zweiten Tag (gleiche Flasche, offen) noch verstärkt. Was isst man zu einem solchen Wein? Na ganz einfach: Wild! Und wie es der Zufall wollte, servierte der wackere Hotelier einen wunderbaren, sous vide gegarten Hirschbraten. Perfekt!


Kurz ein Wort zur Rebsorte Blaufränkisch: Ein der klassischen Rebsorten Österreichs, originär aus dem Burgenland. Die Trauben brauchen viele Wärme und ergeben dunkle und langlebige Weine. In Ungarn (grenzt ja direkt ans Burgenland) ist der Wein auch als Kékfrankos bekannt. Wer noch mehr wissen will – hier entlang! 


Ich muss ja zugeben, vom Weingut Gager hatte ich bis dato noch nie gehört. Als ich dann mal nachgelesen habe, war ich schnell überzeugt: Mit 35 ha Anbaufläche definitiv kein Massenerzeuger, ein klassischer Familienbetrieb, beheimatet in Deutschkreutz im Mittelburgenland und mit einer relativ interessanten Geschichte: Früher wurde der Wein nicht selbst vermarktet, sondern an die Genossenschaft geliefert. Aber 1984 war damit Schluss und dann begann, so muss man sagen, wohl eine ziemlich Erfolgsgeschichte. Den Namen werde ich mir jedenfalls merken.

Cuvee-Quattro-Flasche

Leider kann ich diesmal nicht mit einem eigenen Foto aufwarten, aber um einen Eindruck zu liefern gibt es zumindest ein offizielle Aufnahme des Weins vom Weingut. Und wer sich da mal umsehen will, hier der Link. Ach ja, was kostet der Tropfen? Im Einzelhandel wohl um die 17,- Euro, ein solides Investment für meine Begriffe.

 

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